{"id":30,"date":"2009-06-13T18:31:00","date_gmt":"2009-06-13T16:31:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kh.ruckus.eu\/?p=30"},"modified":"2025-08-25T19:36:59","modified_gmt":"2025-08-25T17:36:59","slug":"kleinste-ausstellungsflaeche-berlins-inszeniert-s-h-e","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/kleinste-ausstellungsflaeche-berlins-inszeniert-s-h-e\/","title":{"rendered":"LOGE, die kleinste Ausstellungsfl\u00e4che Berlins inszeniert S.H.E."},"content":{"rendered":"<p>Erschienen auf <a href=\"http:\/\/www.artandevents.mediaquell.com\" target=\"_blank\">www.artandevents.mediaquell.com<\/a>, 2009<br \/>\n[slideshow_deploy id=&#8217;389&#8242;]<\/p>\n<hr \/>\n<p>Unter der Adresse Friedrichstra\u00dfe 210, beim Checkpoint Charlie, f\u00fchrt eine gew\u00f6lbte Durchfahrt in den Innenhof eines Geb\u00e4udes aus den Jahren um 1910. An der Schwelle zwischen Innen und Au\u00dfen, liegt am Eingang zu einem marmorverkleideten Treppenhaus die fr\u00fchere Pf\u00f6rtnerloge des Hauses. Nach einer gelungenen Renovierung haben Martin Mlecko, Fotograf und Filmemacher, und Wolfgang Sch\u00f6ddert, Kunsthistoriker, diesen originellen Ort unter dem Namen Loge zu einem Ausstellungsort f\u00fcr raumbezogene Arbeiten entwickelt. Zwei kleine, mit Tudorb\u00f6gen abgerundete Schiebefenster gew\u00e4hren den Blick von Drinnen nach Drau\u00dfen und umgekehrt. Die Loge ist ein begehbarer Raum und dennoch mehr Vitrine als Raum.<\/p>\n<p><em>Das Werk<\/em><\/p>\n<p>Theoretisch tot von <a href=\"http:\/\/www.stefanheinrichebner.de\">Stefan Heinrich Ebner<\/a>, Pseudonym s.h.e., ist eine Skulptur, ein Gebilde, dessen Strukturelemente mit Tierfellen umh\u00fcllt sind. Frei in der Loge h\u00e4ngend ertasten die l\u00e4ngsten F\u00fchler des Gebildes die Dimension des Raumes &#8211; ca. 4qm gro\u00df mit einem unregelm\u00e4\u00dfigen Grundriss &#8211; und streben nach Ausdehnung. Struktur und Fell wirken wie eine wesenhafte Einheit. Theoretisch tot ber\u00fchrt diese Einheit und verlangt nach der Reflexion \u00fcber Entwicklung und Wachstum, Entfaltung und Erf\u00fcllung, Leben und Tod. Der Titel des Werkes spricht diese Reflexion mit einer gewissen Ironie an.<\/p>\n<p>Zwei Jahre hing die Basis des Werkes im Atelier s.h.e.-Studio von Stefan Heinrich Ebner in den Josettih\u00f6fen in der Rungestrasse. Es brauchte eine lange Zeit, um zu wachsen. Mit ihrer Basisstruktur aus Bambus verlangte die Skulptur keine Kanten, sondern eine \u201eunscharfe\u201c H\u00fclle. Fell war das perfekte Material: Nat\u00fcrlich, organisch, weich, mit unscharfen, unregelm\u00e4\u00dfigen R\u00e4ndern und quasi lebendig. Hier ein \u201eBastard\u201c, Felle von verschiedenen Tieren wurden zu einem neuen \u201eWesen\u201c zusammengef\u00fcgt.<\/p>\n<p><em>Der K\u00fcnstler<\/em><\/p>\n<p>Stefan Heinrich Ebner wurde 1965 in Freiburg geboren und arbeitet seit 1986 in Berlin. Er gr\u00fcndete 1989 das \u201eJour Fix im Cafe Einstein, Tisch 133&#8243;, diskutierte \u00fcber raumbezogene Kunst und soziale Skulptur. Seine Projektionen und nichtsimultanen R\u00e4ume f\u00fchrten ihn zur Bildarchitektur, die er in Form von Fotogeflechten verschiedener Architekturaufnahmen im Deutschen Architekturzentrum (DAZ) sowie Galerien in Deutschland, New York und der Schweiz ausstellte. Seine Farbfeldanimationen, die aus der 3-D entsprungen sind, die Lichtbilder, die Projektionen auf Pneumatik, der Raumfilter, die Raumfotografie, die Raumfalten und die Bildarchitekturen finden alle ihren Ursprung im strukturellen Aufbau.<\/p>\n<p>Stefan Heinrich Ebner befasste sich lange mit Architekturtheorie. Die \u00e4sthetische Infrastruktur ist der \u00dcberbegriff seiner Kunst. Nach vielen Jahren der Arbeit am Computer packte ihn das Verlangen &#8222;fassbare&#8220; Strukturen, Skulpturen, in den wahrhaftigen Raum zu bringen. So entstanden in den letzten Jahren eine Reihe von h\u00e4ngenden Strukturen, bedeckt mit Fell oder auch Federn, die mit Poesie unsere Sinne ansprechen und das Verlangen erzeugen, sie zu umgehen, zu streicheln oder gar hineinzusteigen.<\/p>\n<p>An diesem Ort, der Loge, ist dies leider nicht m\u00f6glich, nur die zwei abgerundeten Schiebefenster und das schmale Fenster in der T\u00fcr gew\u00e4hren Blicke. Doch umso gr\u00f6\u00dfer ist auch der Effekt in dieser Art Vitrine: Das eingeschlossene Werk strebt nach au\u00dfen zum Betrachter, das dessen Verlangen nach N\u00e4he nur steigert.<\/p>\n<p><em>Der Ort<\/em><\/p>\n<p>In ihrer urspr\u00fcnglichen Funktion war die Loge eine Registratur f\u00fcr Rituale innerhalb der sie umgebenden Architektur. Ein Wechselspiel zwischen Innen und Au\u00dfen geh\u00f6rt zu ihren Eigenschaften. Sie war ein eng angelegter Arbeitsplatz, ein Ort der Information und zugleich ein Schicksalsplatz &#8211; Menschen wurden willkommen gehei\u00dfen oder zur\u00fcck auf die Stra\u00dfe verwiesen, angezogen oder abgesto\u00dfen. Die Loge war Arbeiten gewidmet, heute der Kunst. Der Wunsch, das Bewusstsein gegen\u00fcber einer allt\u00e4glichen Sch\u00f6nheit und Poesie zu st\u00e4rken, steht gleichwertig daneben.<\/p>\n<p>Martin Mlecko und Wolfgang Sch\u00f6ddert arbeiten seit den fr\u00fchen 1990er Jahren an gemeinsamen Projekten im \u00f6ffentlichen Raum. K\u00fcnstlerische und kuratorische Grundgedanken basieren dabei stets auf sozialpolitischen Zielsetzungen. Wesentliches Merkmal war und ist der diskursive Austausch und die Einbindung Anderer in konzeptuelle Prozesse und gleichzeitig die Auseinandersetzung mit Orten, die bestimmte kulturelle Zusammenh\u00e4nge spiegeln.<\/p>\n<p>An diesem geladenen Ort in der Friedrichstra\u00dfe in Berlin, der an einem einst neuralgischen und politischen Ort im historischen Zeitungsquartier Berlins liegt und heute zum touristischen Magneten der Stadt geh\u00f6rt, wird die Intention des Projektes und des Werkes Theoretisch tot von Stefan Heinrich Ebner sinnlich sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Katia Hermann<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.loge-berlin.com\/loge_projekte.html\">http:\/\/www.loge-berlin.com\/loge_projekte.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen auf www.artandevents.mediaquell.com, 2009 [slideshow_deploy id=&#8217;389&#8242;] Unter der Adresse Friedrichstra\u00dfe 210, beim Checkpoint Charlie, f\u00fchrt eine gew\u00f6lbte Durchfahrt in den Innenhof eines Geb\u00e4udes aus den Jahren um 1910. 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