{"id":31,"date":"2009-06-04T12:53:00","date_gmt":"2009-06-04T10:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kh.ruckus.eu\/?p=31"},"modified":"2025-08-25T19:37:00","modified_gmt":"2025-08-25T17:37:00","slug":"borders-internationale-gruppenausstellung-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/borders-internationale-gruppenausstellung-in-berlin\/","title":{"rendered":"BORDERS: Internationale Gruppenausstellung in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Erschienen auf <a href=\"http:\/\/www.artandevents.mediaquell.com\" target=\"_blank\">www.artandevents.mediaquell.com<\/a>, 2009<br \/>\n[slideshow_deploy id=&#8217;391&#8242;]<\/p>\n<hr \/>\n<p>Der Begriff Border wird in einer Gruppenausstellung in Berlin zur Diskussion gestellt: In seinem 3. Ausstellungsprojekt BORDERS &#8211; Rand Grenze Rahmen pr\u00e4sentiert der Berliner Kunstverein ConcentArt e.V. in seiner Location in Kreuzberg 17 nationale und internationale K\u00fcnstler und K\u00fcnstlergruppen (5. Juni bis 26. Juli 2009). Der Kunstverein stellt k\u00fcnstlerische Auseinandersetzungen, Methoden und Darstellungsformen \u00fcber gesellschaftliche Ph\u00e4nomene und Diskurse der Gegenwart in den Mittelpunkt seiner Ausstellungen, f\u00fcr die Begriffe aus dem kollektiven Bewusstsein ausgew\u00e4hlt und zur Diskussion gestellt werden.<\/p>\n<p><em>Begriffe aus dem kollektiven Bewusstsein<\/em><\/p>\n<p>Der Begriff Border und seine deutschen Entsprechungen im Titel des gleichnamigen Ausstellungsprojektes ist ein Angebot des Berliner Kunstvereins ConcentArt e.V. an K\u00fcnstler aller Genres, Medien, Darstellungs- und Ausdrucksformen, sich produktiv mit gesellschaftlichen Realit\u00e4ten auseinanderzusetzen und sie sinnlich mit ihren k\u00fcnstlerischen Mitteln in Entsprechung zu dem Begriff Border erfahrbar zu machen. Nach den thematischen Gruppenausstellungen &#8222;Sicherheit&#8220; und &#8222;Wa(h)re Kunst&#8220; zeigt ConcentArt e.V. in dem gro\u00dfen Ausstellungsraum in einem Hinterhof der Kreuzbergstra\u00dfe mit BORDERS \u2013 Rand Grenze Rahmen wieder einmal Werke von gro\u00dfer Qualit\u00e4t. Kuratiert wurde die internationale Gruppenausstellung vom K\u00fcnstler Georgi Begun und dem Berliner Kurator Dr. Rolf K\u00fclz-Mackenzie.<\/p>\n<p>Der auch in der deutschen Sprache gebr\u00e4uchliche Begriff Border steht f\u00fcr eine Bandbreite von Begrifflichkeiten ohne wirkliche Begrenzung und spielt in seinen deutschen Synonymen &#8211; Rand, Grenze, Rahmen &#8211; in unserer Wahrnehmung eine Rolle. Das angels\u00e4chsische Border steht f\u00fcr all dieses und f\u00fcr weitere Zusammenh\u00e4nge aus der Psychologie (Borderline Syndrom), der \u00d6konomie (Cross border leasing) oder der Politik (State Border). Wir leben in einer Zeit der Grenzenlosigkeit, der Entgrenzung, der Grenz\u00fcberschreitung, der Randexistenzen oder der Rahmenlosigkeit. Wir stossen an die Grenzen der Wahrnehmung, leben in unsichtbaren Grenzen, fallen aus dem Rahmen, oder stehen am Rande des Abgrundes.<\/p>\n<p><em>Die US-Videok\u00fcnstlerin Nicole Cohen \u00fcber Borders von Zeit und Raum<\/em><\/p>\n<p>In der Videoinstallation Jet lag von Nicole Cohen wird der Betrachter mit vielfachen Facetten des Begriffs Border konfrontiert: Die Rahmen der zwei Projektionsfl\u00e4chen, zwei kleine Bilder von R\u00e4umlichkeiten &#8211; hier von Flugzeuginterieurs &#8211; und die \u00dcberschreitung dieser materiellen Grenze, die hier durch auf die Fl\u00e4che projizierte, animierte Menschen aufgehoben wird, indem sie von einer Fl\u00e4che zur anderen wandern und kurzzeitig im Zwischenraum &#8211; der Wand &#8211; verschwinden. Der Fakt der Eingrenzung im geschlossenen, fliegenden Raum, das Flugzeug: Die besondere Situation des Fliegens, in der Grenzen virtuell erscheinen, Zeitzonen sich \u00fcberlappen oder f\u00fcr den Passagier in der Luft wahrnehmlich aufgehoben werden. Der Titel Jet lag, spielt auf das physische Resultat der Zeitgrenzen\u00fcberschreitungen an.<\/p>\n<p>Nicole Cohen wollte das Thema Abflug\/Abfahrt und Ankunft bearbeiten, diesen Zustand zwischen zwei Momenten, bei dem man in Abwesenheit und Desorientierung schweben kann. Dieser Moment, in dem man die Erinnerung an einen Raum in den n\u00e4chsten Raum mitnimmt und eine \u00dcberlappung stattfindet, die auch eine Art Konfusion hervorrufen kann.<\/p>\n<p>Die amerikanische K\u00fcnstlerin befasst sich seit Jahren in ihren Videoarbeiten mit R\u00e4umlichkeiten, Innenausstattungen und Mobiliar. Meistens sind sie historisch aus anderen Zeiten und werden durch animierte, projizierte Personen aus der Gegenwart in einen neuen dynamischen Kontext gesetzt. Sie clashen aufeinander durch die \u00dcberlappung der immobilen Projektionsfl\u00e4che, das Bild eines Interieurs und der animierten, den Proprtionen des Interieurs angepassten Videoprojektion.<\/p>\n<p>Bei der K\u00fcnstlerin ruft der Begriff Border Multiples hervor: The edge (Borte, Flanke, Grenze, Kante, Rand, Schneide, Umrandung&#8230;), eine spezifische Linie, die zwei Seiten trennt. Auf der einen Seite befinden sich Dinge, die in einer bestimmten Weise vorgeschrieben sind, und auf der anderen Erwartungen. Eine d\u00fcnne Linie zwischen zwei verschiedenen Codes oder Arten des Wirkens. F\u00fcr die Performances in Cohens Videoarbeiten agieren Personen in bestimmten R\u00e4umlichkeiten. Es gibt eine starke unsichtbare Grenze zwischen den Akteuren und ihr, der Regisseurin. Die Idee der psychologischen Grenze zwischen verschiedenen R\u00e4umlichkeiten sowie Epochen ist in ihren Arbeiten ein Leitfaden.<\/p>\n<p>Nicole Cohen lebt und arbeitet seit 2008 in Berlin, reist f\u00fcr Auftr\u00e4ge oft in die USA und lebt mit dem jet lag, der bei der Ankunft in Berlin anscheinend immer heftiger ist. Sie nennt diesen Zustand auch einen \u00abKick\u00bb, einen \u00abLichtkick\u00bb, denn man muss das Tageslicht konfrontieren, obwohl der K\u00f6rper auf Nacht eingestellt ist, und in diesem Zustand erf\u00e4hrt man k\u00f6rperliche Grenzzust\u00e4nde.<br \/>\n<em><br \/>\nK\u00fcnstlerische Auseinandersetzungen mit Borders<\/em><\/p>\n<p>In Unser Garten erforscht der polnische K\u00fcnstler Roland Schefferski die Grenze zwischen heimisch und exotisch anhand des Gartenbeispiels. Ergebnisse der Tauchg\u00e4nge in die Tiefe des Unbewussten, Resultate des Projektes ORA des Italieners Ugo Dossi und Hara Walther in Berlin werden hier zum ersten Mal gezeigt: Ab 2008 galt es als Zentrum und Entfaltungsraum f\u00fcr sensitive Begabungen, in dem sie Zugang zur Kreativit\u00e4t des Unbewussten finden und entwickeln k\u00f6nnen. Als Werkzeug wird hierf\u00fcr das Ph\u00e4nomen des sogenannten Automatischen Zeichnens eingesetzt, mit dem unbewusste Inhalte unmittelbar, gleichsam automatisch zum Ausdruck gebracht werden k\u00f6nnen. So entstanden eine gro\u00dfe Anzahl von ORAcles, automatische Zeichnungen mit verbl\u00fcffenden Inhalten, die auf das Wirken einer transpers\u00f6nlichen Intelligenz hinweisen, an der Grenze zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein&#8230;<\/p>\n<p>Der Schweizer Urs Jeaggi appelliert mit seiner Rauminstallation Kampfplatz 2009 an die politische und soziale Dimension des Begriffs Border und stellt erhebliche Fragen an unsere Gesellschaft. Der Kanadier Don Ritter verbl\u00fcfft mit einer interaktiven Videoinstallation Vox populi, bei der der Besucher historische Reden vor einem projiziertes Publikum halten kann, das prompt auf den Redner reagiert. Der Mazedonier Jovan Balov regt mit seiner Installation aus Video und Leinw\u00e4nden Net Total zur Reflektion \u00fcber geopolitische Grenzverschiebungen an.<\/p>\n<p>Der russische K\u00fcnstler Georgi Begun \u00fcberrascht mit drei Installationen, in denen er die menschliche Figur in einem Video-Triptychon portr\u00e4tiert, in Fotoarbeiten durch Gitter eingrenzt, oder mit drei im Fu\u00dfboden integrierten Bildschirmen am Eingang der Ausstellung. In dieser interaktiven Installation Trespassing tritt der Besucher dem K\u00fcnstler ins Gesicht, welches sich vor Schmerz verzerrt. Das K\u00fcnstlerpaar Beatrijs Albers und Reggi Timmermans aus Belgien zeigen neben den vielen Videos in der Ausstellung eine Installation mit Materie, hier Textil: Taschent\u00fccher und ausgeschnittene Blazertaschen, in Schn\u00f6rkelschrift mit Beautiful Borders bestickt, spielen auf den sinnlichen Aspekt des Begriffs Rand an. Die Thematisierung der damaligen Grenze in Berlin sollte bei Borders nicht fehlen. Jan Peter E.R. Sonntag zeigt hier Wall, eine Installation im Bereich der diskursiven Medienkunst. F\u00fcnf Jahre nach dem Mauerfall installierte er 100 Sinust\u00f6ner auf dem brachen Feld des Postdamer Platzes bis hin zur damaligen Ausstellung Fall Wall Fall im Gropius-Bau. 20 Jahre nach dem Mauerfall bezieht er sich bei Borders wieder auf diese Intervention und metrisiert den Raum mit einer gro\u00dfen, wei\u00dfen Leinwand-ein pulsendes Klangfeld-und setzt eine unsichtbare Linieatur.<\/p>\n<p>Der Berliner Kunstverein ConcentArt e.V. schafft es, die Vielf\u00e4ltigkeit des Begriffs Border anhand der Mannigfaltigkeit der 17 Werke zu umschreiben und k\u00fcndigt schon die n\u00e4chsten vielversprechenden Ausstellungen f\u00fcr das Jahr 2009 auf seiner Interseite an: Strictly Berlin und Luxury.<\/p>\n<p>Katia Hermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen auf www.artandevents.mediaquell.com, 2009 [slideshow_deploy id=&#8217;391&#8242;] Der Begriff Border wird in einer Gruppenausstellung in Berlin zur Diskussion gestellt: In seinem 3. 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