{"id":33,"date":"2009-05-07T14:25:00","date_gmt":"2009-05-07T12:25:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kh.ruckus.eu\/?p=33"},"modified":"2025-08-25T19:37:00","modified_gmt":"2025-08-25T17:37:00","slug":"verbot-our-body-a-corps-ouvert-in-paris-musste-raeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/verbot-our-body-a-corps-ouvert-in-paris-musste-raeumen\/","title":{"rendered":"Verbot: \u201eOur body-\u00e0 corps ouvert\u201c in Paris musste r\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<p>Erschienen auf <a href=\"http:\/\/www.artandevents.mediaquell.com\" target=\"_blank\">www.artandevents.mediaquell.com<\/a>, 2009<br \/>\n[slideshow_deploy id=&#8217;396&#8242;]<\/p>\n<hr \/>\n<p>Das gerichtliche Gerangel um die Plastinationsausstellung \u201eOur body &#8211; \u00e0 corps ouvert\u201c endete am 21. April 2009 in Paris mit einem Schnellgerichtsurteil. Das Pariser Landsgericht verbot die heftig umstrittene Schau. Doch die Firma \u201eEncore Events\u201c legte Berufung ein und erkl\u00e4rte, es g\u00e4be circa 20 anatomische Ausstellungen dieser Art, die in der Welt wandern und nicht verboten werden. Die Entscheidung des Appelationsgerichtshofes fiel nur 9 Tage sp\u00e4ter: das Verbot bleibt. Die Ausstellung musste ger\u00e4umt werden, ihr Verbot ist ein seltener Fall in Frankreich.<\/p>\n<p>\u201eDie durch das Gesetz zugewiesene Ruhest\u00e4tte einer Leiche ist der Friedhof\u201c, hatte der Richter des Pariser Schnellgerichtshofs betont. Er lie\u00df die Ausstellung schlie\u00dfen, die in 24 Stunden ger\u00e4umt werden musste und die Exponate, d.h. die K\u00f6rper der Ausstellung, beschlagnahmen, so lange, bis eine L\u00f6sung konform mit dem Beisetzungsrecht durch die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden gefunden wird.<\/p>\n<p>Die pr\u00e4parierten Leichen, die in der Pariser Ausstellung gezeigt wurden, geh\u00f6ren laut Aussteller der Stiftung \u201eAnatomical Sciences and Technologie\u201c in Hong Kong, die sie legal gespendet haben soll. Die Spender oder die Angeh\u00f6rigen sollen zur K\u00f6rperspende eingewilligt haben. Der Ausstellungsorganisator, die Firma \u201eEncore Events\u201c, hatte eine Konvention mit dieser Stiftung unterzeichnet. Doch diese beweist nicht die Einwilligung der Verstorbenen, sagte der Anwalt der zwei klagenden Verb\u00e4nde &#8222;Solidarit\u00e9 Chine&#8220; und &#8222;Ensemble contre la peine de mort&#8220;.<\/p>\n<p>\u201eIn China gibt es einen illegalen, verbreiteten Handel mit Leichen, K\u00f6rperteilen und Organen\u201c f\u00fcgte der Anwalt hinzu, das simple Papier einer chinesischen Stiftung ohne Sitz oder Telefonnummer reiche als Beweis nicht aus. Die Stiftung \u201eAnatomical Sciences and Technologie\u201c sei zudem im medizinischen Kreise unbekannt.<\/p>\n<p>Einer der Anw\u00e4lte der angeklagten Firma behauptet, die Entscheidung des Richters m\u00fcsse dann auch dazu f\u00fchren jegliche Ausstellung zu schlie\u00dfen, die Mumien oder F\u00f6tusse in Gl\u00e4sern zeigt. Ganze R\u00e4ume des Pariser Mus\u00e9e de l\u00b4Homme w\u00e4ren dann betroffen und m\u00fcssten schlie\u00dfen. Oder, f\u00fcgte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma Pascal Bernardin hinzu, die Ecorch\u00e9s des Anatomisten Honor\u00e9 Fragonard im Museum der Tierarztschule in Maisons-Alfort. Der Museumsdirektor in Maisons-Alfort \u00e4u\u00dferte darauf: \u201eDiese K\u00f6rper, die Ecorch\u00e9s des 18. Jahrhunderts, spiegeln einen Moment der anatomischen Wissenschaftsgeschichte wieder. Die K\u00f6rper stammten aus Hospizen, sie wurden f\u00fcr die Lehre hergestellt. Die ethische Abweichung ist radikal\u201c.<\/p>\n<p>In seinem Urteil hatte der Richter erwogen, dass die Leichen-Ausstellung dem Respekt des menschlichen K\u00f6rpers schade. Die Inszenierung der zerschnittenen Leichen, teilweise gef\u00e4rbt oder in bestimmten Positionen dargestellt sei eine Verletzung des Anstands. Er berief sich auf ein Gesetz von Dezember 2008, indem die Rechte f\u00fcr den Schutz des Menschen auch f\u00fcr die von Leichen g\u00fcltig gemacht wurden. Der Staatanwalt sagte, das Gesetz verbiete Konventionen die K\u00f6rperhandel beinhalten. Die Kommerzia-lisierung sei eine offensichtliche Verletzung des Respekts der Toten. Der private Besitz von Leichen ist verboten. Jeder Tote hat Anrecht auf eine Bestattung, au\u00dfer wenn medizinische Gr\u00fcnde vorliegen.<\/p>\n<p>Bis zu 120 000 Besucher sahen die Pariser Ausstellung. Sie sollte bis Mai andauern und weiterwandern. Vor Paris war sie in Frankreich in Marseille und Lyon zu sehen. Doch die franz\u00f6sische Justiz machte nun einen Strich durch die Rechnung.<\/p>\n<p>Diese Art von \u201eLeichen-Ausstellungen\u201c touren weltweit friedlich weiter, wie die von dem Erfinder des Plastinationsverfahren Gunther van Hagen, die ab 7. Mai in Berlin zu sehen ist. Das Thema und der Titel dieser 2. Ausgabe in Berlin: K\u00f6rperwelten &amp; der Zyklus des Lebens. Ausgerechnet das Leben wird mit Toten inszeniert. Die vieldiskutierte Leicheninszenierung hatte vor 8 Jahren in Berlin bis zu 1,43 Millionen Besucher angelockt und wurde bis jetzt nie verboten. Das erste Verbot dieser Art pr\u00e4parierter Leichen-Ausstellungen deklariert das Land der kulturellen Toleranz und der Menschenrechte.<\/p>\n<p>Katia Hermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen auf www.artandevents.mediaquell.com, 2009 [slideshow_deploy id=&#8217;396&#8242;] Das gerichtliche Gerangel um die Plastinationsausstellung \u201eOur body &#8211; \u00e0 corps ouvert\u201c endete am 21. April 2009 in Paris mit einem Schnellgerichtsurteil. Das Pariser Landsgericht verbot die heftig umstrittene Schau. 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