{"id":34,"date":"2009-04-23T10:23:00","date_gmt":"2009-04-23T08:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kh.ruckus.eu\/?p=34"},"modified":"2025-08-25T19:37:00","modified_gmt":"2025-08-25T17:37:00","slug":"der-einzelgaenger-otto-mueller-in-der-galerie-nierendorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/der-einzelgaenger-otto-mueller-in-der-galerie-nierendorf\/","title":{"rendered":"Der Einzelg\u00e4nger Otto Mueller in der Galerie Nierendorf"},"content":{"rendered":"<p>Erschienen auf <a href=\"http:\/\/www.artandevents.mediaquell.com\" target=\"_blank\">www.artandevents.mediaquell.com<\/a>, 2009<br \/>\n[slideshow_deploy id=&#8217;398&#8242;]<\/p>\n<hr \/>\n<p>Die am Freitag startende Ausstellung in der Galerie Nierendorf zeigt einen Querschnitt des Gesamtwerkes des bekannten deutschen K\u00fcnstlers Otto Mueller (1874-1930). Seit 1920 vertritt die renommierte Galerie im Westen Berlins den Einzelg\u00e4nger unter den Br\u00fccke-K\u00fcnstlern (zu sehen vom 24. April &#8211; 9. Oktober 2009).<\/p>\n<p>Das erste Mal zeigte die Galerie Nierendorf 1927 Farblithografien des K\u00fcnstlers, nur einige Bl\u00e4tter aus der Zigeuner-Serie. Seit dem Neubeginn der Galerie 1955 ist das Werk Otto Muellers ein zentrales Anliegen der T\u00e4tigkeiten des Galeristen Florian Karsch. Als leidenschaftlicher Sammler der Grafik publizierte er 1974 das grafische Gesamtwerk des K\u00fcnstlers als Ausstellungskatalog zu Muellers 100. Geburtstag, ein wichtiges Nachschlagewerk zu Otto Muellers Schaffen. Seit 1957 gab es sieben Einzelausstellung des K\u00fcnstlers in der Galerie Nierendorf. Dies ist nun die 8. \u201eAusgabe\u201c.<\/p>\n<p><em>Der Stil<\/em><\/p>\n<p>Florian Karsch kennt Otto Muellers Werke seit vielen Jahren und wei\u00df den unverwechselbaren \u201eStil\u201c des expressionistischen K\u00fcnstlers einzuordnen. Er schreibt in seiner zur Ausstellung ver\u00f6ffentlichten Brosch\u00fcre: \u201eExpressionismus war eigentlich kein Stil, sondern ein Lebensgef\u00fchl der K\u00fcnstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Befreiung von akademischen und gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen. Ein Teil der K\u00fcnstler neigte sich dem Geistigen, Nichtsinnlichen zu und r\u00e4umte dem Wirklichen, dem Gegenst\u00e4ndlichen immer weniger Platz in ihren Werken ein bis zur Ungegenst\u00e4ndlichkeit. Der andere Teil der Expressionisten betonte das Sinnliche, das Gegenw\u00e4rtige, den Rausch aus dem Innersten der Seele. Das manifestierte sich z.B. im \u00dcberquellen von Farben und Formen. Es war das Ergreifen des Wirklichen mit allen Fasern des K\u00f6rpers und der Sinne. Viele Abstufungen zwischen diesen beiden Extremen in dem vom K\u00fcnstler gefundenen und f\u00fcr seinen Ausdruck als ad\u00e4quat realisierten \u201eStil\u201c k\u00f6nnen also als \u201eexpressionistisch\u201c akzeptiert werden. Dies nur wenn der betreffende K\u00fcnstler aus seinem Innersten heraus, unabh\u00e4ngig und \u201eunverf\u00e4lscht\u201c seinen Gef\u00fchlen Ausdruck und Form verlieh. Genau in diesem Sinne ist Otto Mueller ein ganz konsequenter Expressionist, mehr als viele, die oft nur zeitweilig und \u201estilistisch\u201c beim Expressionismus mitgemacht haben.\u201c<\/p>\n<p><em>Das Leben<\/em><\/p>\n<p>Otto Mueller wurde 1874 in Liebau im Riesengebirge geboren. Dem traditionellen Lernen im Gymnasium nicht besonders zugetan, war es eine Befreiung f\u00fcr ihn, 1890 eine Lehre als Lithograf in G\u00f6rlitz beginnen zu k\u00f6nnen. Hier wurde sein k\u00fcnstlerisches Talent erkannt, so dass auch sein Vater einwilligte, ihn Kunst studieren zu lassen. 1894-96 besuchte er die Kunstakademie in Dresden, 1898 hielt er sich zu Studienzwecken in M\u00fcnchen auf. Er lernte in Dresden seine sp\u00e4tere Frau Maschka Meyerhofer kennen, die sein bevorzugtes Modell wurde. 1908 zog er nach Berlin, wo er im Rahmen der Ausstellung der Zur\u00fcckgewiesenen der Secession und der darauf folgenden Gr\u00fcndung der Neuen Secession 1910, die K\u00fcnstlergruppe \u201eBr\u00fccke\u201c kennen lernte. Er trat der Gruppe bei und verbrachte den Sommer 1910 mit Ernst Ludwig Kirchner in B\u00f6hmen. Auch im folgenden Jahr waren Menschen in der Natur sein Hauptmotiv und er arbeitete gemeinsam mit Heckel und Kirchner an der Ostsee und an den Moritzburger Teichen bei Dresden, um das freie Badeleben zu beobachten, das in zahlreichen Werken Thema wurde.<\/p>\n<p>Otto Mueller nahm an den beiden herausragenden \u201eBr\u00fccke\u201c-Ausstellungen dieser Zeit teil: 1910 an der in der Dresdner Galerie Arnold, 1912 in der Berliner Kunsthandlung Fritz Gurlitt. Gleichzeitig stellte er mit den K\u00fcnstlern des \u201eBlauen Reiters\u201c aus. Nach der Aufl\u00f6sung der K\u00fcnstlergruppe \u201eBr\u00fccke\u201c pflegte Mueller weiterhin Kontakt und Freundschaft mit den ehemaligen Gruppenmitgliedern Kirchner und Heckel. Nach dem Ersten Weltkrieg, den er als Soldat in Frankreich und sp\u00e4ter in Russland erlebte, wurde er 1919 als Professor an die Kunstakademie in Breslau berufen, wo er bis zu seinem Tod 1930 unterrichtete.<\/p>\n<p><em>Der Einzelg\u00e4nger<\/em><\/p>\n<p>\u201eOtto Mueller war ein Einzelg\u00e4nger. Seine Kunst ist so individuell und unverwechselbar pers\u00f6nlich stilisiert, dass gelegentlich kritisch und aus Unverst\u00e4ndnis ge\u00e4u\u00dfert wurde, sie sei eint\u00f6nig und schematisch. Bei n\u00e4herer Betrachtung und genauerem Studium des Werkes ist festzustellen: alle Variationen des Grundthemas weisen gro\u00dfe Unterschiede auf. Bei aller \u00c4hnlichkeit sind es differenzierte, genaue Kompositionen, von denen jede einzelne unverwechselbar ist. Mechanische Wiederholungen gibt es nicht. Mehrfache Ver\u00e4nderungen eines Grundthemas, einer Komposition sind immer reizvoll und ganz neu. Dies gilt sowohl f\u00fcr Variationen in gleicher Technik als auch beim Wechsel von der Lithografie zum Aquarell oder zum Gem\u00e4lde. Otto Mueller war ein extremer Individualist (&#8230;)\u201c, schreibt Florian Karsch.<\/p>\n<p><em>Seltenheit des Werkes<\/em><\/p>\n<p>Otto Mueller schuf in circa 20 Jahren Schaffenszeit weniger Werke als die meisten seiner Zeitgenossen. Die Seltenheit seines Werkes und die daraus resultierenden Verkaufspreise bewirkte eine stets zunehmende Flut von F\u00e4lschungen. \u201eEs sei an dieser Stelle davor gewarnt, die vielfach angebotenen g\u00fcnstigen Gelegenheiten vorbehaltlos und ohne vorherige genaue Expertenpr\u00fcfung wahrzunehmen\u201c, warnt der erfahrene Galerist der Galerie Nierendorf.<\/p>\n<p>In der aktuellen Ausstellung werden 56 Werke ausgestellt. Darunter Gem\u00e4lde, Zeichnungen, Holzschnitte und Lithografien. Selbstbildnisse, Akte, Portraits, Badende sowie Waldlandschaften stammen aus den Jahren 1903 bis circa 1927. Die Verkaufspreise gehen ab 1500 \u20ac aufw\u00e4rts. Einige Werke stechen durch ihre Eigenart besonders hervor, wie z.B. das \u00d6lbild \u201eSelbstbildnis mit Gitarre\/Selbstbildnis als Zigeuner\/Selbstbildnis als Halbzigeuner\u201c von 1903-1904 sowie die Lithografie \u201eDer Mord 2 (Tanzszene II; Liebespaar III)\u201c um 1919.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t der Arbeiten von Otto Mueller steigerte sich bis zu seinem Lebensende. Dies unterscheidet ihn von den meisten expressionistischen, aber auch von vielen anderen K\u00fcnstlern; aus diesem Grund ist er in der Malerei des 20. Jahrhunderts eine Ausnahme. Otto Mueller war und bleibt ein besonderer Einzelg\u00e4nger.<\/p>\n<p>Katia Hermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen auf www.artandevents.mediaquell.com, 2009 [slideshow_deploy id=&#8217;398&#8242;] Die am Freitag startende Ausstellung in der Galerie Nierendorf zeigt einen Querschnitt des Gesamtwerkes des bekannten deutschen K\u00fcnstlers Otto Mueller (1874-1930). Seit 1920 vertritt die renommierte Galerie im Westen Berlins den Einzelg\u00e4nger unter den Br\u00fccke-K\u00fcnstlern (zu sehen vom 24. April &#8211; 9. Oktober 2009). Das erste Mal zeigte die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[123],"tags":[],"class_list":["post-34","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-publikationen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3243,"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34\/revisions\/3243"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}