{"id":4928,"date":"2009-09-08T12:19:00","date_gmt":"2009-09-08T10:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.katiahermann.com\/afrika-in-berlin-ethnologisches-museum-zeigt-neue-und-alte-schaetze\/"},"modified":"2025-08-25T19:36:59","modified_gmt":"2025-08-25T17:36:59","slug":"afrika-in-berlin-ethnologisches-museum-zeigt-neue-und-alte-schaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/afrika-in-berlin-ethnologisches-museum-zeigt-neue-und-alte-schaetze\/","title":{"rendered":"Afrika in Berlin: Ethnologisches Museum zeigt neue und alte Sch\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<p><strong>Erschienen auf <a href=\"http:\/\/www.artandevents.mediaquell.com\" target=\"_blank\">www.artandevents.mediaquell.com<\/a>\u00a02009<\/strong><\/p>\n<p>[slideshow_deploy id=&#8217;3050&#8242;]<br \/>\nDas Ethnologische Museum in Berlin besitzt mit 500 000 Objekten aus der ganzen Welt, darunter circa 75 000 Objekte afrikanischer Kunst, eine bedeutende Sammlung von Weltrang. Die Mehrzahl der Sch\u00e4tze befindet sich im Magazin und nur ein Bruchteil der Best\u00e4nde kann dem Besucher pr\u00e4sentiert werden. Dies soll sich in Zukunft \u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>Vier neue Themenbereiche<\/em><\/p>\n<p>Seit dem 3. September 2009 hat die Afrika-Abteilung vier neue Themenbereiche.<\/p>\n<p>\u201eBenin, Die Geschichte eines westafrikanischen K\u00f6nigreichs\u201c zeigt h\u00f6fische Kunstobjekte aus dem K\u00f6nigreich Benin, heute Nigeria, aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, die das letzte Mal vor dem 2. Weltkrieg pr\u00e4sentiert wurden. Sie geh\u00f6ren zu den gr\u00f6\u00dften und bedeutendsten Sammlungen weltweit.<\/p>\n<p>Der Bereich \u201eBamum. Tradition und Innovation im Kameruner Grasland\u201c zeigt neben ber\u00fchmten Objekten, wie dem perlenbestickten Thron aus Bamum, der als Geschenk an Kaiser Wilhelm 1908 nach Berlin kam, ebenfalls noch nie ausgestellte Objekte, die einen Einblick in die Kultur Bamums w\u00e4hrend der Kolonialzeit geben sollen.<\/p>\n<p>Neben diesen zwei neuen historischen Teilen der Afrika-Sammlung \u00fcberrascht das Museum mit Neuerwerbungen der zeitgen\u00f6ssischen afrikanischen Kunst. Es handelt sich um Fotografien der s\u00fcdafrikanischen, international bekannten K\u00fcnstler Pieter Hugo und Nontsikelelo Veleko. Die farbigen Ganzk\u00f6rperportraits der 1977 in Johannesburg geborenen K\u00fcnstlerin Veleko tourten schon rund um die Welt und werden im November auch auf der bekannten Fotomesse \u201eParis Photo\u201c in Paris zu sehen sein. Die Farb- und Schwarzwei\u00dffotos der Hy\u00e4nenm\u00e4nner, Gaukler oder Medizinm\u00e4nner des 1976 geborenen Fotografen Pieter Hugo werden in Galerien in den USA, der Schweiz und in S\u00fcdafrika gehandelt, und wurden teilweise als Buchb\u00e4nde z. B. im Prestel Verlag ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>\u201eAfrika in Berlin\u201c zeigt eine beeindruckende Ijele-Maske der Igbo-Kultur aus Nigeria, die von Anayo Nwobodo \u00fcber den Verein Ikuku Berlin f\u00fcr Berlin als Leihgabe geschaffen wurde. Die meterhohe, farbenreiche Maske kommt nur zu au\u00dfergew\u00f6hnlichen Festen im S\u00fcdosten Nigerias zum Tanzen. Sie steht in Dahlem als Zeichen des kulturellen Austausches zwischen Nigeria und Berlin.<\/p>\n<p>Die Bereicherung der Sammlung in Dahlem mit zeitgen\u00f6ssischer afrikanischer Kunst dient nicht nur zur historischen Betrachtung Afrikas in der Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert, die nicht auszuschlie\u00dfen ist, wie es im Pressetext steht; sie ist eine Erweiterung der Kunstsammlung, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Diese neuen Themenbereiche der Afrika-Ausstellung stehen im Zusammenhang mit konzeptionellen \u00dcberlegungen zur Pr\u00e4sentation Afrikas im Humboldt-Forum des 2015 geplanten Berliner Stadtschloss nahe der Museumsinsel.<\/p>\n<p>Die historischen Sammlungen sollen aus der Enge einer ethnografischen Betrachtung befreit werden und in einem neuen Umfeld auch als Zeugen einer geschichtlichen Entwicklung dienen.<\/p>\n<p><em><br \/>\nDas Pariser Modell<\/em><\/p>\n<p>Die Franzosen haben schon vor l\u00e4ngerer Zeit eine Umgestaltung ihrer Sammlungen in Angriff genommen, eine Initiative des ehemaligen Staatspr\u00e4sidenten Jacques Chirac. Das Pariser ethnologische Museum \u201eMus\u00e9e de l\u00b4Homme\u201c am Trocad\u00e9ro wurde vorerst geschlossen. Definitiv wurde das \u201eMus\u00e9e National des Arts d\u00b4Afrique et d\u00b4Oc\u00e9anie\u201c im 12. Arrondissement von Paris geschlossen und im selben Geb\u00e4ude die \u201eCit\u00e9 nationale de l&#8217;histoire de l&#8217;immigration\u201c (zur Geschichte der Immigration) er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Die Pariser Kunstsammlungen der Zivilisationen Afrikas, Ozeaniens, Asiens und der nichtabendl\u00e4ndischen Zivilisationen Nord- und S\u00fcdamerikas wurden 2006 in einem modernen Bau des Star-Architekten Jean Nouvel neu zusammengef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Dort, am Quai Branly, nicht weit vom Eiffelturm, erfuhren die historischen Gebrauchsgegenst\u00e4nde und Handwerke die Anerkennung als Kunstwerke, die ohne inhaltliche Beschr\u00e4nkung und mit m\u00f6glichst wenigen Kommentierungen gezeigt werden sollten. Ein Pr\u00e4sentationsduktus, den das Mus\u00e9e Dapper, schon seit 1986 mit Wechselausstellungen vertritt. Die Stiftung in Paris bietet einen Raum f\u00fcr Kunst und Kultur Afrikas und der Karibik und deren Diaspora.<\/p>\n<p>Das Mus\u00e9e du Quai Branly, wird auch &#8222;Mus\u00e9e des arts premiers&#8220; genannt, \u00fcbersetzt \u201eMuseum der ersten K\u00fcnste\u201c. Chirac veranlasste, dass schon ab 2000 circa 120 Meisterwerke verschiedener Sammlungen in einem Seitenfl\u00fcgel des weltber\u00fchmten Mus\u00e9e du Louvre, dem Pavillon des Sessions, gezeigt wurden. Der Kunsth\u00e4ndler, Sammler und Freund Chiracs Jacques Kerchache setzte sich fr\u00fch f\u00fcr die arts premiers ein. Die Bezeichnung machte er 1990 in einem manifest-artigen Artikel in der \u201eLib\u00e9ration\u201c publik und erkl\u00e4rte, dass \u201ealle Meisterwerke der Welt frei und gleich geboren seien\u201c. Die fr\u00fchere Bezeichnung art primitif ist seitdem ein eher abwertender Begriff in der franz\u00f6sischen Sprache.<br \/>\nKerchache \u00fcberzeugte den Staatschef und konzipierte noch vor seinem Tod 2001 die Ausstellung der Meisterwerke der Zivilisationen Afrikas, Ozeaniens, Asiens und der nichtabendl\u00e4ndischen Zivilisationen Nord- und S\u00fcdamerikas im Louvre nach \u00e4sthetischen Kriterien, um der Welt die Sch\u00f6nheit dieser Kunst vor Augen zu f\u00fchren. Die Kunst, die etliche Maler der Moderne am Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa zutiefst beeinflussten, bekamen endlich einen Ehrenplatz im Louvre. Die Direktion des Louvre wehrte sich damals gegen das Vorhaben und auch heute noch k\u00f6nnte man die schlechte \u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fcr diesen Bereich im Louvre, der den Titel \u201e100 chefs<br \/>\nd\u00b4oeuvres\u201c tr\u00e4gt, als anhaltenden Trotz des Museums deuten. Dieser Bereich gilt nun als \u201eBotschaft\u201c des mus\u00e9e du quai Branly und ist nur auf deren Webseite zu finden.<\/p>\n<p><em>Neue Zug\u00e4nge zu Weltkulturen im Humboldt-Forum<\/em><\/p>\n<p>Im zuk\u00fcnftigen Humboldt-Forum in Berlin-Mitte sollen die historischen Sammlungen aus Afrika aus der Enge einer ethnografischen Betrachtung befreit werden und die zeitgen\u00f6ssische Kultur Afrikas sowie Fragen der Migration einen gr\u00f6\u00dferen Raum einnehmen. Man ist gespannt, in welcher Form die Sammlung dort gezeigt werden wird und ob sich die Ausstellung &#8211; wie im Pariser Louvre und im Mus\u00e9e du Quai Branly &#8211; nach \u00e4sthetischen Kriterien richten wird und die Gratwanderung zwischen naturkundlicher und kunstmusealer Pr\u00e4sentation schafft, die beim Mus\u00e9e du Quai Branly kritisiert wird.<\/p>\n<p>Im Humboldt-Forum sollen Zeugnisse der Kunst und Kultur Afrikas, Asiens, Amerikas und Ozeaniens aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin gespeichertes Wissen aus den B\u00fcchern und aus modernen Medien der Zentral- und Landesbibliothek Berlin durch die Wissenschaft der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin erg\u00e4nzt werden. Ein \u201eSchaufenster der Wissenschaft\u201c wird aktuelle Forschung \u00fcber au\u00dfereurop\u00e4ische L\u00e4nder und Regionen zur Diskussion stellen und dar\u00fcber hinaus sollen einschl\u00e4gige St\u00fccke aus den wissenschaftlichen Sammlungen gemeinsam mit den Museen pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<p>Indem das Humboldt-Forum den klassischen, abendl\u00e4ndischen Blick auf die Welt durch au\u00dfereurop\u00e4ische Sichtweisen erg\u00e4nzen m\u00f6chte, will es neue Einblicke und Zug\u00e4nge zu \u201eWeltwissen\u201c und \u201eWeltkulturen\u201c \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Ein anspruchsvolles Vorhaben f\u00fcr die \u201earts premiers\u201c und die nicht zu verdr\u00e4ngende Kolonialgeschichte.<\/p>\n<p>Katia Hermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen auf www.artandevents.mediaquell.com\u00a02009 [slideshow_deploy id=&#8217;3050&#8242;] Das Ethnologische Museum in Berlin besitzt mit 500 000 Objekten aus der ganzen Welt, darunter circa 75 000 Objekte afrikanischer Kunst, eine bedeutende Sammlung von Weltrang. 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