{"id":4961,"date":"2009-10-19T17:38:00","date_gmt":"2009-10-19T15:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.katiahermann.com\/kunst-und-kalter-krieg-im-deutschen-historischen-museum-berlin\/"},"modified":"2025-08-25T19:36:59","modified_gmt":"2025-08-25T17:36:59","slug":"kunst-und-kalter-krieg-im-deutschen-historischen-museum-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.katiahermann.com\/de\/kunst-und-kalter-krieg-im-deutschen-historischen-museum-berlin\/","title":{"rendered":"Kunst und Kalter Krieg im Deutschen Historischen Museum Berlin"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.artandevents.mediaquell.com\" target=\"_blank\">Published on\u00a0www.artandevents.mediaquell.com<\/a>,\u00a02009<br \/>\n[slideshow_deploy id=&#8217;379&#8242;]<\/p>\n<hr \/>\n<p>Die Ausstellung \u201eKunst und Kalter Krieg &#8211; Deutsche Positionen 1945-1989&#8243; startete am symbolischen Tag, dem 3. Oktober 2009, und zeigt bis zum 10. Januar 2010 auf rund 1.500 m2 in dem Geb\u00e4ude von I. M. Pei des Deutschen Historischen Museums 375 Kunstwerke von mehr als 120 K\u00fcnstlern. 20 Jahre nach dem Mauerfall kann man eine Auswahl deutscher Kunst, die seit dem Kriegsende in Ost- und Westdeutschland entstand, in dieser thematischen Gruppenausstellung neu entdecken. Einige Werke kennt man vielleicht schon aus verschiedenen Museumssammlungen oder aus der Ausstellung \u201eKunst in der DDR\u201c in der Nationalgalerie in Berlin.<\/p>\n<p>Die Kuratoren, Stephanie Barron vom Los Angeles County Museum of Art und Eckhart Gillen, Kulturprojekte Berlin, pr\u00e4sentieren nach den Stationen Los Angeles und N\u00fcrnberg in Berlin eine neue Version der Ausstellung \u201eKunst und Kalter Krieg\u201c. Die Berliner Variante pr\u00e4sentiert noch zus\u00e4tzliche Werke. Gemeinsam sollen sie zeigen, wie K\u00fcnstler aus Ost- und Westdeutschland im aufgeladenen Spannungsfeld der ideologischen Systemgegens\u00e4tze in Ost und West eine vielschichtige und eigenst\u00e4ndige politische Ikonografie entwickelt haben. Eckhart Gillen \u00e4u\u00dferte: \u201eDie verschiedenen Formen der Kunst transportieren mentale, kulturelle und politische Inhalte, ohne sie im Sinne politischer Botschaften zu instrumentalisieren. Indem die Bilder aus vier Jahrzehnten deutscher Nachkriegskunst in ihrer Vielfalt und in ihrer Gestaltungskraft in unsere Wahrnehmung r\u00fccken, entsteht eine neue Perspektive auf die geteilte Nachkriegsgeschichte.\u201c<\/p>\n<p><em>Stunde Null, 1945-49<\/em><\/p>\n<p>Der Rundgang gliedert sich in vier Zeitabschnitte und beginnt mit der Stunde Null, 1945, und mit der Frage nach Kontinuit\u00e4t oder Neubeginn. Mit Werken von Karl Hofer und Hannah H\u00f6ch beginnt man den Rundgang im ersten Saal; sie zeigen Menschen gruppiert in Szenen von Totent\u00e4nzen und trauernden Frauen. Schwarzwei\u00df-Fotos von Richard Peter sen., die 6er Serie \u201eDresden nach der Bombardierung vom 13\/14. Februar 1945\u201c, zeigen Bombenopfer und ihre Accessoires in den Tr\u00fcmmern von Dresden. Werke der Abstraktion aus der Schule der Bauhaus-Moderne werden mit figurativen Werken konfrontiert. Heinz Tr\u00f6kes \u00d6lgem\u00e4lde \u201eZwischen den Bl\u00f6cken\u201c von 1947, eine im surrealistischen Stil dargestellte Szene schwebender Elemente zwischen zwei Mauer-Bl\u00f6cken, ist vielleicht die erste Anspielung auf das, was noch kommen wird. Die Bronzeskulptur \u201eDer Befreite\u201c von Georg Kolbe von 1945 sitzt nackt auf einem Stein und vergr\u00e4bt sein Gesicht tief in seinen H\u00e4nden &#8211; wohl befreit, doch trauernd, bedr\u00fcckt und ver\u00e4ngstigt sitzt er da und erinnert an den \u201eDenker\u201c von Auguste Rodin, nur ist es hier eine zusammengebrochene Gestalt. In ihr spiegelt Kolbe die Ersch\u00fctterung der Deutschen nach dem Kriegsende wider.<\/p>\n<p><em>Streit um das Menschenbild in den 50er Jahren<\/em><\/p>\n<p>Der Held der Zukunft ist das Sujet des Sozialistischen Realismus im Osten, w\u00e4hrend die informelle Malerei im Westen Ausdruck des befreiten Subjekts sein will. Denkmalwettbewerbe konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen. Siegesdenkmal in Ostberlin, das Buchenwald-Ehrenmal mit der Skulpturengruppe von Fritz Cremer in der DDR, das geplante Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen in Westberlin&#8230;<\/p>\n<p><em>Zeitgenossenschaft: 1960 bis 1979<br \/>\n<\/em><br \/>\nDie Erweiterung des Kunstbegriffs und der k\u00fcnstlerische Gebrauch der neuen Medien stehen unter dem Begriff Zeitgenossenschaft. In diesen Jahren beginnt zugleich die historische und k\u00fcnstlerische Aufarbeitung des Nationalsozialismus sowie die Radikalisierung verschiedener politischer Gruppen und K\u00fcnstlergruppen. Der Kapitalistische Realismus, inspiriert durch die amerikanische Pop Art, wird die Kunst des Wirtschaftswunders. Fluxus, Happening, Performance und Neue Medien erweitern den Kunstbegriff. Hier sind bedeutende Werke von Beuys, Uecker mit der Gruppe Zero, Vostell, Polke und Nam June Paik &#8211; seine Installation \u201eKuba\u201c von 1963, ein Fernsehger\u00e4t der Marke \u201eKuba\u201c &#8211; zu sehen. Sigmar Polke baut 1967 das Objekt &#8222;Kartoffelhaus&#8220;, ein bissiger Kommentar auf die Welt des westdeutschen Kleinb\u00fcrgers der Wirtschaftswunderjahre, f\u00fcr den Eigenheim und gef\u00fcllter Vorratskeller \u00fcberwichtig scheinen. Eine Kritik und Warnung des K\u00fcnstlers, dass durch die Konsumfreude der Blick auf die Geschichte verloren geht.<\/p>\n<p>Wolf Vostells Bild \u201eB-52 (Lippenstiftbomber)&#8220; von 1968 ist eine Kritik an der amerikanischen Regierung, die nach Vostells Meinung lieber Lippenstifte \u00fcber Nord-Vietnam abwerfen sollte, als das Land zu bombardieren. J\u00f6rg Immendorff verurteilt Volf Wostells Position als westlichen Kultur-Imperialismus in seinem gro\u00dfformatigen Gem\u00e4lde \u201eDeutsche K\u00fcnstler=Vostell\u201c von 1975, in dem er Vostell mit seinem Happening-Manifest in der Hand fliegend portr\u00e4tiert. Immendorff ironisiert den Einfluss auf die K\u00fcnstler seines ehemaligen Lehrers Beuys in seinem \u00d6lgem\u00e4lde \u201eBeuysland\u201c und verurteilt die aus seiner Sicht korrumpierte Gesellschaft in seiner \u201eLidl&#8220;-Serie. In seinem ber\u00fchmten Gem\u00e4lde \u201eCaf\u00e9 Deutschland\u201c von 1977\/78 dokumentiert er unter anderem seine Freundschaft zu dem bis 1980 in der DDR lebenden K\u00fcnstler A. R. Penck, mit dem er in den 70er Jahren trotz des geteilten Deutschlands eine k\u00fcnstlerische Partnerschaft begann.<\/p>\n<p>Weiterhin zu sehen sind Werke von Georg Baselitz (\u201eBild f\u00fcr die V\u00e4ter\u201c, 1965), Thomas Bayrle (\u201eN\u00fcrnberger Orgie\u201c, 1966), Markus L\u00fcpertz (\u201eDithyramb\u201c, 1964), Gerhard Richter (\u201eOnkel Rudi\u201c, 1965) oder Wolf Vostell (\u201eAuschwitz-Scheinwerfer 568\u201c, 1958), denen das oft leidenschaftliche Bem\u00fchen um Aufkl\u00e4rung, Erinnerung und Anklage gemeinsam ist. Und ein solches Engagement wurde noch bis in die 80er Jahre fortgeschrieben, wie etwa die Bilder von so unterschiedlichen K\u00fcnstlern wie Anselm Kiefer (\u201eVarus\u201c, 1980), Olaf Metzel (\u201eT\u00fcrkenwohnung. Abstand 12 000 DM VB\u201c, 1982) oder Albert Oehlen (\u201eF\u00fchrerhauptquartier\u201c, 1984) erkennen lassen.<\/p>\n<p>Die Installation von Raffael Rheinsberg \u201eHand und Fu\u00df\u201c von 1980 mit 350 aufgereihten schwarzen Schuhen und Handschuhen, die er im Niemandsland der Berliner Mauer, nahe des Anhalter Bahnhofs, fand, stammen aus einem Zwangsarbeiterlager der NS-Zeit. Die Installation erh\u00e4lt durch das Licht der Installation von Wolf Vostells \u201eAusschwitz-Scheinwerfer 560\u201c von 1958 eine noch dramatischere Dimension. Die Gestaltung ist hier gut gelungen und Bernhard Heisigs bekanntes \u00d6lbild \u201eUnterm Hakenkreuz\u201c von 1973 h\u00e4ngt auch nicht weit entfernt.<\/p>\n<p><em>1980-1989: Wahnzimmer Deutschland und Trauma der Vergangenheit<\/em><\/p>\n<p>Das Werk von Lutz Dammbeck, \u201eNibelungen\u201c von 1986-1988 zieht hier das Auge des Besuchers besonders an. Der K\u00fcnstler n\u00e4ht hier Bilder der Gesichtsh\u00e4lften von Baader und Ensslin mit Bildern von Werken vom NS-Bildhauer Arno Breker zusammen. Der Titel ist eine direkte Anspielung auf Hitlers Bewunderung f\u00fcr Richard Wagners \u201eRing der Nibelungen\u201c.<\/p>\n<p>Volker Stelzmann aus Dresden gibt eine Hommage an Rudi Dutschke mit seinem d\u00fcsteren \u00d6lbild \u201eF\u00fcr R. D.\u201c von 1981\/82. Es zeigt Rudi Dutschke, der sich auf eine Badewanne st\u00fctzt, Kopf nach unten gesenkt, eine direkte Anspielung auf seinen tragischen Tod. Georg Herold aus Jena \u00fcberrascht mit seiner Installation \u201eLaokoon\u201c von 1984, die aus einem alten Staubsauger und einem Audio-Band besteht, das die Rede von Hitler und Ulbricht \u00fcber entartete Kunst von 1937 wiedergibt. Der K\u00fcnstler war in der DDR inhaftiert, bevor seine Ausreise in den Westen 1973 genehmigt wurde.<\/p>\n<p>Die Installation von Hans Haake, \u201eWeite und Vielfalt der Brigade Ludwig\u201c von 1984 besteht aus zwei gro\u00dfformatigen \u00d6lbildern, die \u00fcber Eck durch ein Imitat der Berliner Mauer getrennt werden. Es ist mit das eindeutigste Werk der Ausstellung. Auf dem links h\u00e4ngenden \u00d6lbild im sozialrealistischen Stil ist der Industrielle und Kunstm\u00e4zen Peter Ludwig mit Familie als Schokoladen-Patissier abgebildet. Das rechts von der Mauer h\u00e4ngende Gem\u00e4lde zeigt eine Szene im Stil der westlichen Werbung f\u00fcr Trumpf-Schokolade, ein Produkt des Industriellen.<\/p>\n<p>Im Ganzen stellt die Ausstellung eine beeindruckende, in ihrer Intensit\u00e4t und Dichte einzigartige Einf\u00fchrung in \u00fcber 40 Jahre deutsch-deutsche Kunstgeschichte dar. Dass man die Ausstellung gleichwohl etwas unbefriedigt verlassen kann, liegt an der \u201eUnterbelichtung\u201c des Kalten Krieges. Denn was hier unter dem Titel der Ausstellung geboten wird, ist vor allem eine Geschichte der deutschen Teilung und ihrer Verarbeitung in der Kunst. Die Erscheinungsformen des Kalten Krieges in der Kunst der beiden deutschen Staaten erhalten daf\u00fcr weitere Aufmerksamkeit im Katalog der Ausstellung. Das Rahmenprogramm mit Filmvorf\u00fchrungen und F\u00fchrungen durch \u201eKunst und Kalter Krieg &#8211; Deutsche Positionen 1945-89\u201c mit renommierten K\u00fcnstlern ist vielversprechend.<\/p>\n<p>Katia Hermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Published on\u00a0www.artandevents.mediaquell.com,\u00a02009 [slideshow_deploy id=&#8217;379&#8242;] Die Ausstellung \u201eKunst und Kalter Krieg &#8211; Deutsche Positionen 1945-1989&#8243; startete am symbolischen Tag, dem 3. Oktober 2009, und zeigt bis zum 10. Januar 2010 auf rund 1.500 m2 in dem Geb\u00e4ude von I. M. 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